Entscheidungshilfe für das richtige Basisfahrzeug

Welchen Kastenwagen bis 12.000 Euro soll man als Basis für einen Selbstausbau-Camper kaufen? Die Frage habe ich mir auch vor kurzem gestellt. Meine Erkenntnisse will ich hier mit euch teilen … in der Hoffnung, dass sie helfen. 🙂

Mercedes Sprinter, VW Crafter, Opel Movano, Renault Master, Nissan NV 400, Peugeot Boxer, Citroen Jumper, Fiat Ducato, natürlich der VW Bus T1 bis T6, Ford Transit, Nissan Primastar, Opel Vivaro, Renault Trafic, Mercedes Vito, Hyaundai H1 … die Liste ist lang und jedes Fahrzeug zu vergleichen kann einen wahnsinnig machen. Deswegen habe ich versucht hier meine Erkenntnisse zu den wichtigsten Punkten zu konzentrieren.

1. Sicherheit

Kastenwägen haben oft eine furchtbare Sicherheitsausstattung. Selbst relativ neue Autos kommen ohne ESP und mit nur einem Airbag daher. Beim Sprinter/Crafter (gleiche Basis), Vito, Bus und paar anderen siehts da meistens besser aus. Enttäuschend fand ich jedoch die Wohnmobilklassiker Boxer/Jumper/Ducato (alle die gleiche Basis), die ich praktisch nie mit ESP und Beifahrerairbag gefunden habe.

2. Verbrauch

Je schwerer der Kasten, desto mehr Verbrauch. Stimmt zumindest meistens. Ich nutze überwiegend den Spritmonitor um herauszufinden was echte Fahrzeugnutzer verbrauchen. Dabei ist mir der Transit positiv aufgefallen, da er im Vergleich zu vielen anderen mini LKWs nur gute 1.800 Kilo mitbringt und deshalb auch gerne unter 9 Liter Diesel auf 100 km säuft. Oder eher sippt! Dabei rede ich von der kurzen und niedrigen Version. Die großen Klötze haben ja nicht nur viel auf den Hüften, sondern liegen auch im Wind wie eine Wand auf Rädern. Das kostet gerne mal um die 10 Liter Diesel pro 100 km.

3. Platz

Bett, Sitzgelegenheit und Küche braucht das Wohnmobil sagt der TÜV. Sonst muss man weiterhin die teure LKW Versicherung zahlen … sagt der TÜV. Jetzt will man natürlich noch Kram verstauen und Elektronik-Zeugs verstecken und das Notklo braucht auch noch eine elegante Nische. Außerdem will man zumindest gerade sitzen können ohne einen Katzenbuckel machen zu müssen. Es soll natürlich auch Leute geben, die auch noch in ihrem Fahrzeug stehen wollen! Allgemein haben die Kastenwägen immer eine Bezeichnung wie L1H1 oder L2H2. Die Zahlen stehen für die ungefähre Länge und Höhe des Fahrzeugs. Je höher die Zahl, desto länger bzw. höher das Fahrzeug. L1 bedeutet meistens, dass die Ladefläche je nach Fahrzeug 2,40 m bis 2,70 m lang ist. Danach erhöht sich die Länge pro Ziffer um etwa 30 cm. Ab H2 kann man mit 1,80 m in den meisten Fahrzeugen stehen.

Im Vivaro/Trafic (gleiche Basis), Vito und evtl. im Bus kann es schnell eng werden, da die Laderaumhöhe nur um die 1,30 m pendelt. Im Transit gibts auch nur 1,44 m und ab Sprinter und Ducato wirds dann langsam besser mit 1,60 in den jeweils kleinsten Versionen. Dafür werden die Autos dann auch schnell höher (Tiefgaragen sind dann Tabu!) als die 2 m der kompakteren Modelle. Der kleinste Sprinter z.B. ist schon über 2,4 m hoch! Autsch!
Die Boxer/Jumper/Ducato sind mit über 1,8 m dafür die breitesten von der Ladefläche her. Hier kann man ohne Probleme ein Querbett einbauen. Das spart Platz! In meinem Transit gibts nur 1,75 m, aber ich habe mich mit meinen 1,83 m trotzdem für ein Querbett entschieden. Dann liege ich halt quer im Querbett. Also Diagonal. Oder so. Das Bett wird dann 130×175 cm groß sein. Das sind laut Pythagoras 2,18 m in der Diagonale. Praktisch endlose Weiten!

4. Zuverlässigkeit

Der VW Bus ist ein Klassiker. Ein schöner Klassiker noch dazu! Aber seit dem Abgasskandal und den folgenden „Updates“ für den Motor, habe ich das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Bullis verloren. Mal ehrlich, er hat auch davor schon nicht wirklich mit Zuverlässigkeit geglänzt. Es war wohl schon immer eher eine emotionale Zuverlässigkeit.
Vom Vivaro/Trafic habe ich auch eher nicht so Gutes gefunden im Netz. Sprinter, Master, Boxer/Jumper/Ducato und Transit scheinen dagegen super zu funktionieren, wenn man nicht die falschen Motoren nimmt (auf keinen Fall den 2.2 Diesel mit EURO 4 nehmen vor 2013 bei Boxer/Jumper/Ducato oder Transit. Die haben oft Motorschäden!).
Der Dekra Gebrauchtwagenreport ist keine schlechte Anlaufstelle um die Autos allgemein mal zu vergleichen.

5. Preis/Leistung

Hier hat der VW Bus wohl nichts zu suchen. Die Preise sind verrückt und mit Vernunft nicht zu erklären! Die anderen halten sich alle ähnlich, wobei Mercedes etwas teurer ist. Die Transits haben dafür oft eine bessere Ausstattung wie Klima, ESP, Beifahrerairbag, Tempomat, Navi etc.

6. Fahrspaß

Hier gewinnt wahrscheinlich Mercedes und Ford. Der Sprinter/Crafter versteckt unter der Ladefläche noch einen Heckantrieb, der sicher mehr Spaß macht, wenn man viel Wohnzimmer auf die Hinterachse packen will. Der Ford Transit fährt sich ab dem EURO 5 Motor fast wie ein PKW, da der Motor recht leise ist und die Außenmaße und das Gewicht kompakt genug sind, um noch etwas Spaß aufkommen zu lassen.

Generell wären die Boxer/Jumper/Ducato wahrscheinlich die beste Basis für einen Wohnmobilausbau. Sie sind nicht zu teuer und rosten weniger als die anderen LKW Kollegen. Vor allem der Ducato ist bei den großen Wohnmobilherstellern sehr beliebt. Für mich persönlich war der Sicherheitsaspekt aber zu wichtig und im Gebrauchtwagenmarkt waren nur runtergerockte Lieferfahrzeuge ohne ESP etc. zu finden. Der Fahrspaß und die Alltagstauglichkeit waren mir auch wichtig, neben den Kosten natürlich. Das alles hat mich zum Transit geführt. Ob das die richtige Wahl war wird sich bald herausstellen. 🙂

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